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Kein ‚Herz aus Stein‘

Kritik gehört zum Wesen der Wissenschaft. Doch Forscherinnen und Forscher persönlich zu diffamieren und pauschal zu verurteilen, ist nicht akzeptabel. Eine Stellungnahme des MDC zur aktuellen Kampagne der „Ärzte gegen Tierversuche“.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), Berlin, und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen sachliche und fachliche Kritik an Tierversuchen ernst und sind zu einem Dialog bereit. Die Kampagne der „Ärzte gegen Tierversuche“ beruht aber darauf, durch die Verleihung eines „Herz aus Stein“ für einen Tierversuch einzelne Personen persönlich und pauschal zu diffamieren. „Diese Art der Kritik ist nicht akzeptabel“, sagt Martin Lohse, Vorstandsvorsitzender des MDC. „Davon distanzieren wir uns als Wissenschaftler und als gesamte Institution.“ Hinzu kommt, dass die Begründung der populistischen Online-Abstimmung auf aus dem Kontext gerissenen Informationen beruht.

Am MDC analysieren Forscherinnen und Forscher aus aller Welt, was im Körper vor sich geht, wenn er gesund ist und wenn er krank wird. Zur Mission des MDC gehört es, dass die Erkenntnisse zu grundlegenden Mechanismen des Lebens möglichst bald Patienten zugutekommen sollen. „Wir führen unsere Forschung im Interesse von Kranken, von älteren Menschen und von Kindern durch – Gruppen, die keine ausreichende Lobby haben. Für sie neue Therapiemöglichkeiten zu entdecken und zu erforschen, entspricht unserem staatlichen und gesellschaftlichen Auftrag“, sagt Martin Lohse.

Die Ergebnisse, die die Arbeitsgruppe von Gary Lewin und ihre Kooperationspartner in der nun von Ärzte gegen Tierversuche kritisierten Studie veröffentlicht haben, sollen zum Beispiel dabei helfen, Herz und Gehirn von Patienten nach Infarkt und Schlaganfall zu schützen. In solchen Fällen sind Zellen von Sauerstoffmangel bedroht, der beim Menschen verheerende Auswirkungen haben kann. Die Studie hat bei Nacktmullen einen bisher völlig unbekannten Schutzmechanismus gegen Sauerstoffmangel beschrieben. Der Weg bis zu einer Therapie für Menschen mag lang sein. Doch bereits die Hoffnung darauf hat ein großes positives Echo in der Wissenschaft und auch in der Öffentlichkeit erzeugt. Medien in aller Welt haben über die Entdeckung berichtet.

„Als größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands leistet die Helmholtz-Gemeinschaft wichtige Beiträge zur Lösung drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft“, sagt Otmar D. Wiestler, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. „In unserem Forschungsbereich Gesundheit entwickeln wir innovative Diagnose- und Behandlungsverfahren für komplexe Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden, Alzheimer oder Parkinson zum Wohl zahlreicher Betroffener. Tierversuche sind dabei für manche Fragestellungen ein notwendiger und unverzichtbarer Bestandteil.

„Unsere Forscherinnen und Forscher begegnen den Tieren immer mit höchster ethischer Verantwortung. Wir bewerten zum Beispiel vor jedem Versuch sorgfältig die wissenschaftliche Fragestellung und klären ab, ob Experimente an Tieren wirklich unumgänglich sind. In der angesprochenen Studie mit Nacktmullen wurde dies verantwortungsvoll abgewogen. Versuche an Tieren führen wir nur dann durch, wenn es keine Alternativen gibt. Dabei werden wir zudem durch externe staatliche Aufsichtsbehörden strengstens kontrolliert. Dass einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler öffentlich diskreditiert werden, ist deshalb für uns absolut inakzeptabel.“

Das MDC ist dem 3R-Prinzip – reduce, replace, refine – verpflichtet. Dabei geht es immer darum, Tierleid zu vermeiden und zu verringern. Die Forscherinnen und Forscher hinterfragen stets auch den Status quo. Bei einer gemeinsamen Konferenz der britischen Tierschutzorganisation RSPCA und des MDC im Herbst 2017 tauschten sie sich mit Experten aus ganz Europa aus, wie man besonders belastende Tierversuche in Europa verringern kann. Am MDC in Berlin fiel 2016 nur ein Bruchteil der Tierversuche unter die Kategorie „schwere Belastung“ (0,8 Prozent, der Durchschnitt in Deutschland liegt bei sechs Prozent).

Die Arbeitsgruppen des MDC forschen in den meisten Fällen zunächst an Zellkulturen oder mit Computermodellen. Sie entwickeln neue Verfahren, um mit Stammzellen und anderen Technologien medizinische Probleme zu modellieren.

Um einen Mechanismus zu überprüfen, kommen sie jedoch oft nicht ohne Tierversuche aus. „Wir glauben, dass die Ergebnisse von Tierversuchen uns allen ein längeres und gesünderes Leben ermöglichen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können wir viele Fragen nur mit Hilfe von Tierversuchen beantworten“, sagt Martin Lohse. „Nicht jeder teilt unsere Meinung. Das müssen wir akzeptieren. Aber ein respektvoller Umgang miteinander ist auch in dieser Diskussion unverzichtbar.“

191 Forschungsinstitutionen unterzeichnen Erklärung zur Unterstützung des Europäischen Gesetze zum Schutz der Tiere in der wissenschaftlichen Forschung

PRESSEMITTEILUNG

London, 10. November 2015

191 Organisationen haben die Erklärung unterschrieben, die heute von der European Animal Research Association (EARA) zur Unterstützung der EU Direktive zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere veröffentlicht wurde. Diese vereinten Bemühungen illustrieren, dass wir weiterhin auf verantwortungsbewusste Tierversuche in der Grundlagenforschung sowie Human- und Tiermedizin angewiesen sind. Diese Erklärung geschieht zeitgleich mit der Frist zur Veröffentlichung der jährlichen Tierversuchsstatistiken für die Mitgliedstaaten der Europäischen Kommission. Die Mitgliedsstaaten müssen zum ersten Mal diese Zahlen offenlegen, aufgrund der Europäischen Direktive 2010/63/EU – zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere.

Diese neuen Vorgaben, beschrieben in Paragraphen 1, 2 und 3 des Artikel 54 der Direktive, beinhalten das Melden von Tieren am Ende jedes Experiments, genauso wie die Schwere der Prozeduren die ein Tier während seiner Lebenszeit durchläuft. Dieses neue Meldesystem gehört zu einer Reihe anderer Vorgaben mit der die Direktive sicherstellen will, dass hohe Tierschutznormen dauerhaft eingehalten werden. Die Direktive unterstützt auch die Entwicklung von Alternativen Methoden, die Verbesserung bestehender Methoden, die Verringerungen von Tierzahlen und die Vermeidung von Forschung an Tieren wo immer möglich.

Kirk Leech, Vorsitzender der European Animal Research Association sagt dazu:

„Diese gemeinsame Erklärung ist ein deutliches Zeichen der europäischen Forschungsgemeinschaft die Rolle von Tiere in der biomedizinischen Forschung zu unterstützen. Forschung an Tieren hat zu vielen Verbesserungen in der Medizin geführt, was bedeutet dass wir jetzt erfolgreich Krankheiten behandeln können, wie zum Beispiel Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Grundlagenforschung braucht Forschung an Tieren: manche Fragen sind zu komplex, um sie mit Hilfe von Zellkulturen in der Petrischale beantworten zu können.

„Diese Erklärung zeigt die geteilte Verpflichtung gegenüber der Werten und Bestimmungen welche die EU Direktive vorgibt und die sicherstellt, dass verantwortungsvolle Forschung an Tieren in Europa weiter vorn stehen wird.“

Mit der Evaluation der Direktive 2010/63/EU in 2017 als Teil des normalen europäischen Legislativ Verfahrens, zeigt die EARA Erklärung, dass eine große Anzahl an öffentlichen und privaten Wissenschaftsorganisationen europaweit zusammen hinter der Direktive stehen, und ihrer Rolle in der Sicherung der führenden Position Europas in der biomedizinischen Forschung, in der Tiere einen kleinen aber fundamental wichtigen Part übernehmen, unterstützen.

ENDE

Hinweise an die Redakteure:

Die European Animal Research Association (EARA) ist eine Kommunikations- und Advocacy Organisation, dessen Mission es ist sich europaweit für die Interessen der biomedizinischen Forschung und Gesundheitsentwicklung einzusetzen. Mit der Bereitstellung von akkurater und Evidenz-basierter Information über biomedizinische Forschung an Tieren will EARA informieren, lehren und die Öffentlichkeit zusammenführen um Forschung an Tieren zu unterstützen und eine bilanzierte Diskussion voranzutreiben.

Medienanfragen:

Dr. E. Martinez Sanchez, EARA Presse- und Kommunikationsverantwortliche,

+44 (0) 79 5501 5386, esanchez@eara.eu

#Support201063EU: Forscher und Bürger

Die Meinung über Forschung an Tieren ist geteilt zwischen Forschern und Bürgern: 92% aller Forscher unterstützen die Forschung an Tieren (Nature, 2011), wohingegen nur 66% aller europäischen Bürger der gleichen Meinung sind (Eurobarometer, 2010, P. 62). Aufgrund dieses Unterschiedes in der Akzeptanz ist es wichtig, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft deutlich ausspricht, welche wichtige Rolle der Direktive 2010/63/EU beim Schutz der Tiere, die noch in der biomedizinischen, veterinärmedizinischen und Grundlagenforschung zum Einsatz kommen, zukommt.understanding gap_Dec2015

In Namen von leitenden europäischen biomedizinischen Wissenschaftsorganisationen und -gesellschaften, Industrievertretern, Universitäten und Patientengruppen, hat die European Animal Research Association (EARA) eine Erklärung zur Unterstützung der Direktive 2010/63/EU veröffentlicht. Mit der anstehenden Evaluierung der Direktive in 2016, wollen wir alle Organisationen, die auf Forschung mit und an Tieren angewiesen sind, aufrufen die Erklärung zu unterschreiben und diese über ihre Netzwerke zu verbreiten.

Schließen sie sich uns an und verbreiten sie die Erklärung unter dem Hashtag #Support201063EU.